Das Pitztaler Liftgirl – Frauenpower im Skigebiet Hochzeiger

Barbara Seebacher: Das Liftgirl vom Hochzeiger

Allein unter Männern: Nicht oft wird man als Skifahrer am Lift von einer Frau begrüßt. Barbara Seebacher ist Liftgirl am Hochzeiger und gewährt uns einen kurzen Einblick in ihren Arbeitsalltag und wie man (frau) sich so in diesem Job schlägt.

Wie bist du auf die Idee gekommen Liftgirl zu werden?

Ich habe im Sommer in der Fischerei in Stams gearbeitet und brauchte was für den Winter. Auf die Stellenausschreibung vom Hochzeiger habe ich mich dann als Bergbahnbedienstete beworben. An sich wusste ich damals noch gar nichts über den Job, aber auf die Frage, ob ich schon einmal eine Schneeschaufel in der Hand hatte, konnte ich auf jeden Fall mit „ja“ antworten. Ich bekam die Stelle 🙂

Welche Qualifikationen sollte man als Liftgirl mitbringen?

An sich ist da gar nicht so viel dabei. Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein – schließlich arbeitet man mit Menschen auf rutschigen Untergrund (die Skifahrer 😉 ) und da kann schnell was passieren. Da sollte man hilfsbereit sein und niemanden links liegen lassen. Und Skifahren sollte man natürlich auf jeden Fall können.

Technisch gesehen, ist es außerdem ganz hilfreich, wenn man eine Schraube von einer Mutter unterscheiden kann. Außerdem habe ich kurz nach meiner Einstellung noch den WIFI Kurs inkl. Prüfung zur Seilbahn-Maschinistin gemacht. Damit durfte ich schnell mehr Verantwortung übernehmen. Im Prinzip braucht jeder Lift einen Maschinisten, der im Hintergrund für den technischen Ablauf verantwortlich ist. Dieser Kurs hat mich für die Aufgabe qualifiziert.

Achtung, Achtung! Rutschige Menschen an Bord. Das alle sicher oben ankommen, ist nicht zuletzt unserem engagierten Liftgirl zu verdanken!

Wie verläuft so ein typischer Arbeitstag?

Mein Arbeitstag startet um 8.00 Uhr mit der Auffahrt via Ski zu meiner zugeteilten Liftstation. Jede Liftstation hat eine Antriebsstation (oben beim Ausstieg) und eine Gegenstation (unten beim Einstieg), deswegen sind jeder Station zwei Mitarbeiter zugeteilt. Die Antriebsstation erfordert einen Maschinisten. Als erstes werden die Bahnen eingeschaltet, hergerichtet und kontrolliert. Das funktioniert exakt nach vorgegebenem Plan mit jeweils täglichen, wöchentlichen und monatlichen Wartungs- und Kontrollarbeiten. Anschließend wird die Bahn eingeschoben, d.h. die Sessel kommen auf das Seil. Um 9.00 Uhr wird die Bahn via Funkinformation an den Betriebsleiter freigegeben. Dann geht der Tag los: Überwachung der Maschinen, Gäste helfen beim Ein- & Ausstieg und Smalltalk führen. Um 16.00 Uhr wird der Personenverkehr dann wieder eingestellt. Die Bahn wird ausgeschoben, also die Sessel wieder vom Seil in die Garage geführt und um 17.00 Uhr fahren wir dann wieder ab. Während unserer Abfahrt kontrollieren wir die Pisten. Die letzten Sonnengenießer werden darauf aufmerksam gemacht, die Strecke zu verlassen, bevor die Pistenraupen ihre Arbeit aufnehmen.

Jeder Lift im Skigebiet braucht technisch gesehen einen Maschinisten, der im Hintergrund für einen reibungslosen, mechanischen Ablauf verantwortlich ist: Liftgirl Babara Seebacher im Einsatz hinter den Kulissen.

Was macht dir an der Arbeit am meisten Spaß?

Auf jeden Fall der Kontakt mit den Menschen und die Arbeit draußen bei schönem Wetter!

Das schönste am Liftgirl-Dasein? Die Menschen und die Arbeit in der freien Natur mit Traumpanorama!

Du bist neben ca. 30 Männern die einzige Frau am Arbeitsplatz. Braucht man da ein dickes Fell?

Dickes Fell ist gar kein Ausdruck. Da kannst du dir ein g‘scheites Leder wachsen lassen (lacht). Na, Schmee. Die Männer schauen super auf uns. Wir haben ein sehr gutes Arbeitsklima im Team. Obwohl ich mich am Anfang schon erst einmal ein bisschen durchsetzen mussten, um ernst genommen zu werden. Schließlich kommen Frauen in dem Job echt selten vor. Aber jetzt muss ich sogar fast zugeben, dass ich etwas verhätschelt werde, was ich sehr genieße (aber bitte nicht den Kollegen weitersagen (!) ;-)… Sie sind sehr hilfsbereit und wenn man mal mit den Ellbogen ausholen muss, ist das bei uns nichts anderes, wie bei den männlichen Kollegen – die müssen sich schließlich auch untereinander wehren. Also an sich macht es keinen Unterschied, ob Frau oder Mann. Ich schöpfe ja auch gleich gut Schnee! Ach Quatsch! Besser!

Gibt es Aufgaben, die du besser bzw. schlechter bewältigst als „deine Männer“

Es wäre gelogen, wenn ich behaupte, Frauen und Männer können alles gleich gut. Schwere Sachen heben und Revisionsarbeiten, wo man teilweise kopfüber schwere Schraubarbeiten erledigen muss, können Männer einfach eindeutig besser. Letztes Jahr war noch ein zweites Liftgirl dabei – auch eine ganz tüchtige. Aber die Jessie mit ihrer Größe wäre bei der ersten Hebelwirkung mitsamt der Gondel durchaus geflogen – davon hätte keiner was.
Und wenn man im vornherein klar kommuniziert, welche Aufgaben einem schwer fallen, ist das für die Kollegen gar kein Problem. Ich gleiche das dann einfach mit anderen Arbeiten wieder aus.

Putzen können Frauen dann wieder besser. Klischee, aber ist so!

Barbara Seebacher beim „besser“ Schneeschaufeln im Skigebiet Hochzeiger im Pitztal.

Wie war die Reaktion in deinem Freundeskreis / innerhalb deiner Familien?

Ganz locker! Ich glaube, da hat keiner groß nachgedacht, ob das jetzt ein Männerjob ist oder ob ich da fehl am Platz bin. Die wissen ja, dass ich anpacken kann 😉

Was machst ein Liftgirl im Sommer?

Ich bin das ganze Jahr über am Hochzeiger eingestellt. In der Zwischensaison stehen vorwiegend Revisionsarbeiten an. Da gibt es einiges zu tun, um den Hochzeiger sommerfit zu machen. Im Sommer bin ich im Zirbenpark unterwegs und mache die Führungen durch die 12 Stationen. Außerdem habe ich „Cartdienst“ am Sechszeiger – seit letztem Jahr gibt es ja unsere Zirbencarts und da braucht es immer jemanden an der Verleihstation. Der Sommer ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich. Und auch hier bin ich wieder den ganzen Tag im Freien unterwegs 🙂

 

Welches Erlebnis wird dir immer in Erinnerung bleiben?

Das war meine unfreiwillige Bergung vor zwei oder drei Winter –  da war ich dann richtig froh um meine männlichen Kollegen. Ich habe es nämlich mal geschafft, mich im Skigebiet komplett zu verfahren. Ich fuhr ganz normal ab ins Tal – hab mich schon auf den Feierabend gefreut – als auf einmal dichter Nebel aufzog und ich irgendwo abseits der Pisten ratlos stecken blieb. Am Anfang musste ich noch über mich selbst lachen. Da fahre ich täglich diese besch…neite Piste hinunter und auf einmal weißt du im eigenen Skigebiet nicht mehr, wo oben und unten ist. Richtig mulmig wurde es mir dann, wo ich gemerkt habe, dass ich immer kraftloser wurde. Mittels Funkgerät habe ich dann meine Kollegen kontaktiert und versucht meine Lage zu beschreiben. Nach gefühlten Stunden haben Sie mich dann gefunden – nur einige Meter unterhalb der Piste. Ich war noch wochenlang der Running Gag.

Die Geschichte fördert meine nächste Frage zwar nicht unbedingt, aber nutzt nix 😉 Zum Abschluss: Wie kann man diese Branche für Frauen deiner Meinung nach interessanter gestalten?

Im Prinzip ist es ein Job, wie jeder andere auch. Man hat ein nettes Kollegium, ist viel an der frischen Luft und arbeitet mit Menschen zusammen. Und wie gesagt: Für Mädels, die anpacken können, stellen die Aufgaben keine besondere Herausforderung dar. Vielleicht muss man halt einfach mal ein Liftgirl-Interview veröffentlichen, um uns Frauen mal generell auf die Idee zu bringen, sich auch über diese Branche einmal Gedanken zu machen und Möglichkeiten zu sehen 😉

Vielen Dank, liebe Barbara für dieses Interview und bis ganz bald im Skigebiet Hochzeiger!

Letztes Jahr waren sie noch zu zweit: Die Liftgirls vom Hochzeiger. Barabara Seebacher und Kollegin Jessica.

 

Ihr wollt selber Liftgirl sein?

Das Skigebiet freut sich auf eure Bewerbungen unter E-Mail: personal@hochzeiger.com

Interessante Links:

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>> Zirbenpark Hochzeiger

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