Eis, Eis, Baby! Das Eis Total Kletterfestival im Pitztal

Das Pitztal war im Jänner einmal mehr Schauplatz des Eiskletter-Festivals „Eis Total“. Im sicheren Umfeld konnten 200 Besucher erste Gehversuche im vertikalen Eis machen oder neuestes Equipment ausprobieren.

(c) Alois Pumhösel

Das Eisgerät weit über Kopf einschlagen. Aber nicht so, dass es im Gesicht landet, wenn man damit wegrutscht! Dann in kleinen Schritten nachsteigen. Die Steigeisen gezielt ans Eis setzen. Die Füße sollen letztendlich so positioniert werden, dass mit dem zentralen Eisgerät, an dem wir hängen, ein Dreieck entsteht. Stehen wir hoch genug, schauen wir, dass unser Becken nah am Eis ist, bevor wir „die Banane machen“ und den Oberkörper zurücklehnen. Wir schlagen das zweite Eisgerät erneut an einer guten Position über Kopf ein – und das ganze Spiel beginnt von Neuem.

(c) Alois Pumhösel

So – oder zumindest so ähnlich – sollte die „Dreieckstechnik“ aussehen, mit der wir uns die Eisfälle hinaufarbeiten, bläuen uns die Bergführer ein, die beim Eiskletterevent „Eis Total“ im Pitztal unsere Bemühungen überwachen. Die dreitägige Veranstaltung, die bereits seit mehreren Jahren hier im Tal stattfindet, lockt Dutzende Outdoorsportler an, berichtet der Organisator und Bergführer Walter Zörer, der gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Mair das Bergevent-Unternehmen mc2alpin betreibt.

(c) Alois Pumhösel

„Viele sind Anfänger und wollen die Eiskletterei einmal ausprobieren“, erklärt Zörer. „Andere sind bereits recht erfahren am Eis und kommen extra hierher, um das neueste Material auszuprobieren.“ Eine ganze Reihe von Equipment-Produzenten stellen für das Event Eis- und Drytooling-Geräte, Spezialkleidung, ultraleichte Gurte oder Eisschrauben zur Verfügung, die die Teilnehmer vor ihren Klettertouren ausleihen können.  Sage und schreibe 200 Teilnehmer waren heuer im Jänner dabei  – eine unglaubliche Anzahl für eine Aktivität, die doch eher als Randsportart gilt. Viele davon sind extra aus Italien, Deutschland und anderen europäischen Ländern angereist.

(c) Alois Pumhösel

Tatsächlich ist es kaum bei einer anderen Gelegenheit so einfach, das Klettern an gefrorenen Wasserfällen in einem sicheren Umfeld auszuprobieren. 60 Fixseile haben die Organisatoren heuer an fünf Locations zwischen den Pitztaler Orten St. Leonhard und Mandarfen installiert. An den Eissäulen des Fallerbachfalls, des Lubisfalls oder des „Garstigen Lieseles“ stehen Bergführer den Kletterern mit Rat und Tat zur Seite. Der Hotspot des Events ist aber die Taschachschlucht weit hinten im Pitztal, ein kleiner Canyon, an dem an mehreren Stellen breite Eiswände emporragen.

Hier trifft man auch auf Alfred Dworak, Bergführer und Eiskletterprofi im Pitztal. Ein Teil der Eisfälle der Taschachschlucht wurde – unterstützt vom TVB Pitztal – extra für das Event künstlich erschaffen.  Dworak kümmert sich um diese fachgerechte Vereisung. Bereits im November habe er angefangen, Wasser gezielt die Felswände herunterzuleiten, erzählt er. Täglich verbringe er mehr als eine Stunde bei der Schlucht und achte mit dem Blick des Eisprofis darauf, dass Säulen und Wände nicht zu dünn oder brüchig ausfallen. Dworak und die „Eis total“-Organisatoren hoffen, dass die künstliche Vereisung zur fixen Einrichtung in zukünftigen Wintern wird.  Die Taschachschlucht – ein wahrer „Kühlschrank“, in dem es immer ein paar Grad kälter ist als im Rest des Tals – ist der perfekte Platz dafür.

(c) Alois Pumhösel

Als Besucher haben wir uns an den senkrechten Eissäulen, die Dworak in den Graben gepflanzt hat, hinaufgearbeitet, bis die Kraft am Ende war. Wir haben uns – ebenfalls in der Taschachschlucht – am Drytooling versucht, also das Klettern am trockenen Felsen mit Pickeln und Steigeisen – das ideale Training für Mixed-Klettereien. Die beteiligten Bergführer haben Felswände extra dafür präpariert. Fortgeschrittene Kletterer übten Standplatzbau. Auch der Bau von Schneebiwaks wurde gezeigt. Wir haben versucht, unsere Klettertechnik zu verbessern, von der langsameren Raupentechnik hin zur Dreiecks- oder Diagonaltechnik, die bei anspruchsvolleren Klettereien verwendet wird. Das Ziel – selbstständig Mehrseillängen am Eisfall gehen zu können – ist klar vor Augen. Wenn auch noch in einiger Ferne.

Für Zörer und seine Kollegen laufen bereits die Vorbereitungen für das 20. „Eis Total“ im nächsten Jahr, das natürlich erneut im Pitztal stattfinden wird. Größer werde das Event nicht mehr, 200 Besucher seien die Kapazitätsgrenze, betont Zörer. „Zum 20. Jubiläum wird es aber ein paar kleine Überraschungen geben.“

Ab 15. Oktober ist die Anmeldung für „Eis Total 2020“ offen. Teilnehmer sollten schnell buchen. Erfahrungsgemäß sind die Plätze in sehr kurzer Zeit vergeben. www.eis-total.at

Aktuelle Informationen zu den Konditionen an den Pitztaler Eisfällen stellt Bergführer und Eiskletterprofi Alfred Dworak zur Verfügung: www.alpine-adventure.at

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